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Wahrnehmung

  • By Michael Blanz

Wahrnehmung (Glossarbegriff) – Gedankenfühlen

(mit „wahr“ + „nehmen“ als Kernmetapher)

Wahrnehmung ist im Gedankenfühlen-Modell der Moment, in dem etwas aus dem Außen (oder aus dem Innen) in deinen Bewusstseinsraum eintritt – weil du es nimmst. Im Wort steckt schon die Bewegung: wahr + nehmen. Du nimmst etwas „für wahr“ in dich auf, noch bevor du es erklärst. Wahrnehmung ist damit keine neutrale Kamera, sondern ein Akt der Auswahl und Aufnahme.

Kurzform:

Wahrnehmung ist: etwas wird im Raum sichtbar, weil du es nimmst.


1) „Wahr“ in Wahrnehmung heißt nicht „Wahrheit“

Das „Wahr“ in Wahrnehmung bedeutet im Modell nicht automatisch: „Das ist objektiv wahr.“
Es bedeutet eher: Es erscheint als wirklich – für dich, in diesem Moment.

So entsteht der entscheidende Unterschied:

  • Wahrnehmung: „So kommt es bei mir an.“
  • Wahrheit: „So ist es.“

Gedankenfühlen schützt davor, Wahrnehmung vorschnell zu verabsolutieren.


2) „Nehmen“: Wahrnehmung ist aktives Aufnehmen

„Nehmen“ heißt:

  • du wählst aus (Aufmerksamkeit)
  • du lässt etwas hinein (Kontakt)
  • du gibst ihm Gewicht (Bedeutung)

Damit ist Wahrnehmung immer schon strukturierend: Sie macht aus der unendlichen Welt einen handhabbaren Ausschnitt.

Beispiel:
In einem Raum sind hundert Reize. Du „nimmst“ drei davon – und diese drei werden zu deiner Wirklichkeit.


3) Wahrnehmung ist das Tor zu Bedeutung, Ladung und Handlung

Im Gedankenfühlen ist Wahrnehmung der erste Schritt einer Kette:

Signal → Wahrnehmung → Bedeutung → Ladung/Spannung → Impuls → Handlung/Reaktion

Darum ist Wahrnehmung so mächtig: Nicht weil sie „recht hat“, sondern weil sie alles Weitere anstößt.


4) Innen- und Außenwahrnehmung

Wahrnehmung passiert in zwei Richtungen:

Außenwahrnehmung

  • Worte, Ton, Blick, Situation, Kontext

Innenwahrnehmung

  • Körperzustand, Gefühle, Gedanken, Impulse, Bilder

Viele Konflikte entstehen, wenn Innenwahrnehmung fehlt (man merkt die eigene Ladung nicht) oder wenn Außenwahrnehmung sofort zur Deutung wird („Der meint das so!“).


5) Wahrnehmung ist selektiv: sie folgt Ladung

Wahrnehmung ist nicht zufällig. Sie wird stark gelenkt durch:

  • implizites Gedächtnis / Erfahrungswissen
  • aktuelle Sicherheit/Unsicherheit
  • Fixierungen (Enge) oder Fokus (Weite)

Wenn ein Thema geladen ist, „sieht“ man mehr davon. Das ist nicht Dummheit, sondern ein Sicherheitsmechanismus: Das System sucht Hinweise.


6) Reife Wahrnehmung: „prüfendes Nehmen“

Im Gedankenfühlen wird Wahrnehmung reif, wenn sie prüfbar bleibt:

  • „Ich nehme wahr, dass du leiser wirst.“ (Signal)
  • „In mir kommt das als Rückzug an.“ (Bedeutung)
  • „Stimmt das – oder passiert gerade etwas anderes?“ (Prüfung)

So wird Wahrnehmung zur Brücke statt zum Urteil.


Kurzform

Wahrnehmung ist im Gedankenfühlen ein aktiver Aufnahmeakt: wahr + nehmen. Du nimmst etwas in deinen Bewusstseinsraum auf, wodurch es als wirklich erscheint – ohne dass es schon objektive Wahrheit sein muss. Wahrnehmung ist das Tor zu Bedeutung, Ladung und Handlung. Reife Wahrnehmung bleibt prüfend: Sie benennt, was ankommt, ohne es sofort zu verabsolutieren.

Michael Blanz
Grenzen zu setzen bedeutet, der eigenen Natur Raum zu geben. Es bedeutet, sich über eigene Bedürfnisse, Wünsche und Anliegen klar zu sein.

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