Ich bin Michael
Es gab einen Moment in meinem Leben, in dem der Schmerz so groß war, dass ich nicht mehr leben wollte. Was dann kam, war das Gegenteil.
Plötzlich war alles still. Kein Kampf mehr. Nur Frieden. Und ein Gefühl von Liebe, das ich bis dahin nicht kannte: nicht für einzelne Menschen, sondern für alle. Bedingungslos, ohne Richtung, ohne Grund. Ich wollte mein Geschäft verschenken. Ich wollte zu Fuß nach Russland laufen, um einem Diktator meine Liebe zu schenken. Ich blieb. Wegen der Schulden. Die hätte niemand gewollt.
Zwei Wochen lebte ich in diesem Zustand. Ich fasste mir immer wieder an die Brust, leicht unterhalb der Mitte, nicht ans Herz. Etwas, das sich nicht benennen ließ. Meine damalige Frau dachte, ich griffe nach meinem Herzen. Es war etwas anderes.
Ich habe in diesem Moment nicht verstanden, was geschah. Erst später, als ich anfing zu suchen, merkte ich, wie das Unterdrücken meiner Gefühle mich von meinem Selbst trennte.
In den folgenden Jahren versuchte ich zu verstehen, was geschehen war. Ich absolvierte traumatherapeutische Fortbildungen, machte eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie. Keine dieser Ausbildungen konnte mir erklären, was ich innerlich bereits wusste. Sie konnten es benennen. Das war nicht dasselbe. Heute fühle ich ich nicht nur mich, sondern auch die unbedingte Liebe zum Leben und zum Selbst.
Aus dem Zuhören meiner inneren Führung heraus entstand Gedankenfühlen:
Es ist mein Weg, in Sprache zu fassen, was Sprache eigentlich erst in Gang setzt. Wie Worte Bedeutung erzeugen. Wie Bedeutung Gefühle formt. Wie Gefühle unsere Sicherheit definieren, ohne dass wir es bemerken.
Ich begleite Menschen therapeutisch in der Praxis und philosophisch durch Gedankenfühlen. Beides kommt aus derselben Quelle: dem Interesse daran, was in einem Menschen wirklich vor sich geht, wenn er fühlt, denkt, spricht.
