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Ich möchte das Modell validieren – Wissenschaft hilf mir

Das Modell und seine offenen Fragen

Der innere Erlebniskreislauf ist eine theoretische Synthese. Er integriert Befunde aus affektiver Neurowissenschaft, Polyvagal-Theorie, Interoceptive Inference und klinischer Erfahrung zu einem kohärenten Prozessmodell emotionalen Erlebens. Er ist anschlussfähig an mehrere etablierte Forschungslinien und macht konkrete, testbare Vorhersagen.

Er ist bisher nicht empirisch getestet.

Diese Seite richtet sich an Forschende aus Neurowissenschaft, klinischer Psychologie, Psychophysiologie und Kognitionswissenschaft, die sich fragen, ob das Modell einer systematischen Überprüfung standhält, und wenn ja, wie eine solche Überprüfung aussehen könnte.


Das Modell in einem Satz

Emotionales Erleben folgt einer sequenziellen inneren Bewegung durch neun funktionale Zustände, die entlang zweier Hauptpfade verlaufen. Welcher Pfad aktiviert wird, hängt von einer einzigen Variable ab: dem verfügbaren Bewusstseinsraum an der kritischen Schwelle zwischen Punkt 4 (Innenfühlen) und Punkt 5 (Beobachtung).


Die zentralen Vorhersagen

Das Modell macht drei überprüfbare Aussagen, die mit bereits existierenden Methoden testbar sind.

Vorhersage 1: Zwei unterscheidbare neuronale Pfade

Der Sicherheitskreislauf (1→7→5→8→2→4→1) und der Stresskreislauf (1→4→2→8→5→7→1) erzeugen unterschiedliche Aktivierungssequenzen und Konnektivitätsmuster. Konkret: im Sicherheitskreislauf sollte präfrontale Aktivierung (dlPFC, vmPFC) der limbischen Aktivierung (Amygdala) zeitlich folgen und sie modulieren. Im Stresskreislauf sollte die limbische Aktivierung die präfrontale Modulation überwältigen, und das Signal sollte zur Außenorientierung zurückkehren statt zur Beobachtung weiterzugehen.

Messbar mit: kombinierter EEG-fMRI, dynamic causal modelling (DCM) zur Bestimmung der Konnektivitätsrichtung, zeitaufgelöste Analyse der Aktivierungssequenz.

Vorhersage 2: HRV als physiologischer Marker für Raum

Herzfrequenzvariabilität (HRV) als Maß für ventralen Vagustonus sollte mit der Fähigkeit korrelieren, den Kreislauf bis zu Punkt 9 (Akzeptanz) abzuschließen, statt ihn bei Punkt 8 (Handlung/4F) oder im Loop zwischen Punkt 1 und 7 zu unterbrechen. Höhere Ruhe-HRV sollte mit vollständigeren Kreislaufabschlüssen korrelieren. Niedrigere HRV sollte mit häufigeren Stresskreislauf-Aktivierungen und offenen Loops korrelieren.

Messbar mit: kontinuierlicher Herzratenerfassung während standardisierter emotionaler Stimulationsprotokolle, Korrelation mit subjektiven Berichten über Kreislaufabschluss oder Looping.

Vorhersage 3: Interozeptive Genauigkeit als Maß für die Raum-Schwellen-Kompetenz

Interozeptive Genauigkeit, also die Präzision der Wahrnehmung körpereigener Signale, sollte mit der Fähigkeit korrelieren, den 4→5-Übergang erfolgreich zu vollziehen, also ein intensives Gefühl zu halten, ohne sofort in Reaktion zu fallen. Personen mit höherer interozeptiver Genauigkeit sollten häufiger den Sicherheitskreislauf aktivieren und seltener in bekannte Looping-Muster fallen.

Messbar mit: heartbeat detection tasks (Schandry-Paradigma oder verwandte Methoden), Korrelation mit emotionalen Regulationsmaßen und HRV.


Die kritische Messgröße: die Raum-Schwelle

Der theoretisch wichtigste und klinisch relevanteste Punkt des Modells ist der Übergang von Punkt 4 zu Punkt 5. Das Modell nennt ihn die Raum-Schwelle: den Moment, in dem ein gehaltenes inneres Erleben entweder in Beobachtung übergeht oder das System in den Stresskreislauf zurückfällt.

Neurobiologisch entspricht dieser Übergang dem, was LeDoux als high road bezeichnet: die präfrontale Modulation der Amygdala-Reaktivität. Dieser Übergang ist mit real-time fMRI bereits messbar. Er zeigt sich als Wechsel in der Konnektivitätsrichtung zwischen Amygdala und dlPFC sowie anteriorer Insula.

Ein mögliches Versuchsdesign zur direkten Messung der Raum-Schwelle:

Probanden werden einem kontrollierten emotionalen Auslöser ausgesetzt, zum Beispiel einem akustischen Schreckstimulus oder einer emotional valenten Bildsequenz. Die Bedingungen variieren den verfügbaren Raum: eine Gruppe unter kognitiver Vorbelastung (enger Raum), eine Gruppe nach einer Entspannungsinduktion (weiter Raum). Gleichzeitig werden EEG (zeitliche Sequenz), HRV (ANS-Zustand) und wenn möglich fMRI (räumliche Aktivierung) erfasst. Die abhängige Variable ist die Aktivierungssequenz: folgt auf die limbische Aktivierung eine präfrontale Modulation (Sicherheitskreislauf), oder kehrt das Signal zur externen Aufmerksamkeit zurück (Stresskreislauf)?


Das Modell als Rahmen für bestehende Forschung

Neben einer direkten Überprüfung gibt es eine zweite Möglichkeit des wissenschaftlichen Austauschs: das Modell als interpretatives Rahmenwerk für bereits existierende Datensätze zu verwenden.

Viele fMRI-Studien zu Emotionsregulation erfassen die Amygdala-PFC-Konnektivität unter verschiedenen Bedingungen, ohne ein Prozessmodell der zugrundeliegenden Sequenz zu haben. Das vorliegende Modell macht spezifische Vorhersagen darüber, welche Konnektivitätsmuster welchen Kreislaufphasen entsprechen. Eine Reanalyse bestehender Datensätze unter dieser Hypothese wäre methodisch niedrigschwellig und könnte erste Hinweise liefern.

Ähnliches gilt für HRV-Datensätze aus Stressforschung und psychotherapeutischen Studien: wenn das Modell zutrifft, sollten bestimmte HRV-Muster mit bestimmten klinischen Präsentationen korrelieren, auf eine Weise, die ohne das Prozessmodell nicht systematisch erwartet worden wäre.


Klinische Erweiterung: Looping als messbares Phänomen

Das Modell macht auch Vorhersagen über pathologische Muster. Bekannte Rückkopplungsschleifen wie 1↔7, 5↔8 oder 2↔8 sollten sich als charakteristische neuronale Signaturen zeigen, die bei bestimmten klinischen Populationen häufiger auftreten als bei gesunden Probanden.

Die Hypothese: chronische Angststörung korrespondiert mit einer dauerhaften Aktivierung des 5↔8- oder 6↔3-Loops. Borderline-Persönlichkeitsstörung mit dem 4↔2-Muster unter Belastung. Burnout mit dem 1↔7-Loop ohne Zugang zu Punkt 9.

Diese Vorhersagen sind mit klinischen Stichproben und bestehenden Neuroimaging-Protokollen prüfbar. Sie würden das Modell nicht nur als Erklärungsrahmen, sondern als Grundlage für differenzierte klinische Phänotypisierung nutzbar machen.


Was das Modell nicht beansprucht

Das Modell beansprucht nicht, die erste Beschreibung emotionaler Verarbeitung zu sein. Es integriert bestehende Forschung und schlägt eine spezifische Prozessarchitektur vor, die über Einzelbefunde hinausgeht.

Es beansprucht nicht, vollständig zu sein. Die Zuordnungen von Neurotransmittern und ICD-10-Kategorien zu einzelnen Punkten sind theoretische Korrelate, keine verifizierten kausalen Beziehungen.

Es beansprucht nicht, universell zu gelten ohne kulturelle oder individuelle Variation. Der Kreislauf beschreibt eine strukturelle Architektur, keine fixierten Inhalte.

Was es beansprucht: eine intern konsistente, neurobiologisch anschlussfähige und klinisch operationalisierbare Prozessbeschreibung emotionalen Erlebens zu sein, die testbar ist und deren Testung Erkenntnisse liefern würde, unabhängig davon, ob sie bestätigt oder widerlegt wird.


Kontakt und Kooperation

Dieses Modell ist im Kontext der Gedankenfühlen-Praxis entstanden, einer therapeutischen und didaktischen Arbeit mit Sprache, Bedeutung und Gefühl. Es hat keinen institutionellen Rahmen und keine Drittmittelfinanzierung.

Was vorhanden ist: ein ausgearbeitetes theoretisches Modell mit Axiomen, Vorhersagen und einer Verortung im Forschungsstand. Was gesucht wird: Forschende, die Interesse an einer Überprüfung haben, ob in Form einer Kollaboration, einer Reanalyse bestehender Daten oder eines eigenständigen Projekts.

Anfragen und Rückmeldungen sind willkommen.


Dieser Ansatz ist Teil des Gedankenfühlen-Modells. Entwickelt von Michael Blanz, Heilpraktiker für Psychotherapie, Betzigau.

Gedankenfühlen ist eine eingetragene Marke.

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