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Das Unbewusste

  • By Michael Blanz

Unbewusstes & Unterbewusstsein (zusammenfassender Glossarbeitrag) – Gedankenfühlen

Im Gedankenfühlen-Modell beschreiben das Unbewusste und das Unterbewusstsein denselben Wirkbereich aus zwei Blickwinkeln:

  • Unbewusstes ist der präzisere Begriff: das, was wirkt, bevor es bewusst gedacht oder sprachlich erzählt werden kann.
  • Unterbewusstsein ist die alltagssprachliche Metapher für die Tiefe des Innenraums: „unter“ dem bewussten Fokus.

Kurzform:

Unterbewusstsein ist die Metapher für Tiefe.
Das Unbewusste ist die Wirkweise dieser Tiefe.


1) Was gehört zum Unbewussten?

Das Unbewusste umfasst alle Prozesse, die Verhalten, Gefühl und Bedeutung steuern, ohne dass du sie gerade bewusst „im Blick“ hast, z. B.:

  • implizites Gedächtnis (Erfahrungswissen, Bauchgefühl, Gewohnheiten)
  • automatische Bedeutungszuweisungen („Das heißt bestimmt…“)
  • Schutzprogramme im Stress (Kampf, Flucht, Freeze, Anpassung Fawn-Response)
  • Abwehrmechanismen (Projektion, Vermeidung, Rationalisierung, Verleugnung etc.)
  • Glaubenssätze und Glaubenssysteme (Ich bin nicht liebenswert)
  • Beziehungslernen und Bindungsstile (Nähe/Distanz, Scham, Zugehörigkeit)
  • Körperprogramme (Spannung, Alarm, Erstarrung)
  • verdrängte oder nicht erlaubte Anteile (was nicht „dürfen“ durfte)
  • Spaltung und

Unbewusst heißt dabei nicht „unwahr“, sondern: nicht bewusst berichtbar oder nicht im Fokus.


2) Unterbewusstsein als Raum-Metapher

Im Gedankenfühlen kannst du dir den Innenraum wie eine Landschaft vorstellen:

  • Bewusstsein = der offene Raum, in dem etwas auftauchen kann
  • Unterbewusstsein = der „untere“ Bereich dieses Raums: Hintergrund, Tiefe, Vorrat
  • Gewahrsein = das Licht / die Aufmerksamkeit, die in diesen Bereich hineinreichen kann

So wird „unter“ nicht biologisch wörtlich verstanden, sondern als Aufmerksamkeits-Tiefe.


3) Zwei Hauptfunktionen der Tiefe

Wenn Menschen „Unterbewusstsein“ sagen, meinen sie meist eine von zwei Funktionen – beide sind im Gedankenfühlen wichtig:

  1. Autopilot / Musterwissen
    Schnelles Erfahrungswissen: Reaktionen laufen ab, bevor Worte kommen.
    Beispiel: Ein Tonfall → Enge → Rückzug.
  2. Verbotenes / Nicht-Zugelassenes
    Dinge, die nicht ins Bewusstsein durften: Bedürfnisse, Gefühle, Erinnerungen.
    Beispiel: „Ich brauche Nähe“ wird zu Scham, wird nicht gesagt, wirkt aber als Spannung.

4) Wie es sich zeigt: Ladung, Spannung, Echo

Im Gedankenfühlen erkennst du Unbewusstes besonders an drei Signalen:

  • Ladung: bestimmte Worte/Themen sind sofort nicht neutral
  • Spannung: Druck im System (reden müssen, fliehen müssen, kontrollieren müssen)
  • kommunikatives Echo: Nachhall (Looping, Misstrauen, Rückzug), obwohl „alles vorbei“ ist

Das Unbewusste ist also nicht unsichtbar – es zeigt sich als Wirkung.


5) Dürfen entscheidet, was aufsteigen kann

Ein zentraler Mechanismus im Modell:

Was nicht dürfen durfte, bleibt „unten“ – und wirkt von dort.

Wenn Bedürfnisse, Gefühle oder Grenzen keinen Erlaubnisraum haben, entstehen typische Folgen:

  • Überanpassung (unsichtbar bleiben)
  • Forderung/Angriff (Bedürfnis maskiert sich)
  • Rückzug/Freeze (Raum wird eng)
  • inneres Kreisen (Echo ohne Abschluss)

6) Ziel ist nicht „alles bewusst machen“, sondern Raum erweitern

Du musst das Unbewusste nicht komplett „aufklären“. Das wäre wie ein Ozean, den man auslöffeln will.

Gedankenfühlen zielt stattdessen auf:

  • Gewahrsein (merken, ohne festzulegen)
  • Differenzierung (Information vs. Interpretation)
  • Integration (das Fixierte wird beweglich)
  • Handlung statt Reaktion (Wahl durch Raum)

Kurz: Das Unbewusste darf da sein, ohne zu steuern.


Kurzform

Unterbewusstsein ist die alltagssprachliche Metapher für die Tiefe des Innenraums. Das Unbewusste ist der präzisere Begriff für die Prozesse, die dort wirken: implizites Gedächtnis, Erfahrungswissen, Schutzprogramme und nicht zugelassene Anteile. Im Gedankenfühlen zeigt sich Unbewusstes durch Ladung, Spannung und kommunikatives Echo. Ziel ist nicht totale Kontrolle, sondern Raumerweiterung: Gewahrsein, Integration und Handlung werden möglich.

Michael Blanz
Grenzen zu setzen bedeutet, der eigenen Natur Raum zu geben. Es bedeutet, sich über eigene Bedürfnisse, Wünsche und Anliegen klar zu sein.

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