Erfahrung
Erfahrung ist im Gedankenfühlen-Modell die zeitlich verdichtete Fähigkeit, eine aktuelle Situation im inneren Raum mit Vergangenheit und Zukunft abzugleichen. Erfahrung ist damit nicht nur „was ich gerade wahrnehme“, sondern das, was in mir entsteht, wenn Gegenwart auf gespeicherte Muster trifft:
- Erinnerungen
- Prägungen
- erlernte Bedeutungen
- Erwartungen
- Vorhersagen („so wird es wieder sein…“)
Kurzform:
Erfahrung ist Gegenwart plus Zeit: ein Abgleich des Jetzt mit dem Damals und dem Vielleicht.
1) Erfahrung ≠ reines Erleben (Achtsamkeit)
- Erleben (achtsam): Was ist jetzt spürbar – ohne Interpretation.
- Erfahrung (gedankenfühlen): Was ist jetzt spürbar und wie ordnet mein System es ein, basierend auf dem, was es gelernt hat.
Erfahrung hat deshalb „Geschmack“: Sie ist gefärbt. Nicht willkürlich, sondern durch Erfahrungswissen.
2) Erfahrungswissen: Wenn der Raum schon „weiß“, bevor du denkst
Erfahrungswissen ist der Teil von Erfahrung, der oft schneller ist als Sprache. Dein System „weiß“ etwas, bevor du es erklären kannst:
- Ein Tonfall reicht, und du wirst eng.
- Ein Blick reicht, und du wirst vorsichtig.
- Ein Wort reicht, und du bist wieder in einer alten Szene.
Im Modell heißt das:
Erfahrung ist gespeicherte Bedeutung, die sich als Resonanz meldet.
3) Die Struktur von Erfahrung im Gedankenfühlen
Erfahrung entsteht, wenn ein aktuelles Signal einen gespeicherten Raum aktiviert:
- Signal (Wort/Ton/Blick/Situation)
- Abgleich (passt das zu früheren Mustern?)
- Prognose (was wird gleich passieren?)
- Resonanz (Gefühl/Körper: sicher/unsicher)
- Handlungsimpuls (Nähe, Rückzug, Angriff, Freeze)
Das erklärt, warum Erfahrung oft wie „Realität“ wirkt: Sie ist eine Vorhersage-Realität – sinnvoll, aber nicht immer aktuell passend.
4) Warum Erfahrung sowohl Ressource als auch Falle sein kann
- Ressource: Erfahrung schützt, macht klug, spart Energie.
- Falle: Erfahrung verengt, wenn Vergangenheit die Gegenwart übernimmt („Es ist wieder so.“).
Im Gedankenfühlen-Sinn:
Erfahrung ist hilfreich, solange sie Raum lässt.
Sie wird problematisch, wenn sie zur Wahrheit erstarrt.
5) Beispiel (einfach)
Signal: „Wir müssen reden.“
- Person A (Erfahrungswissen: gute Klärungen): wird wach, offen.
- Person B (Erfahrungswissen: Strafe/Abwertung): wird eng, alarmiert.
Gegenwart ist gleich – Erfahrung ist verschieden, weil der Abgleich anders ist.
Kurzform
Erfahrung ist im Gedankenfühlen-Modell der zeitliche Abgleich des aktuellen Innenraums mit Vergangenheit und Zukunft: gespeicherte Bedeutungen erzeugen Prognosen, Resonanz und Handlungstendenzen. Erfahrung ist damit eng verwandt mit Erfahrungswissen – sie ist nicht bloß Gewahrsein, sondern gelebte, gelernte Orientierung im Raum.

